Warum ich ständig über Ziele spreche
Kurz gefasst:
Das Problem ist oft nicht, wie wir arbeiten, sondern an wie vielen Dingen gleichzeitig. Mit klaren Zielen kannst du gegensteuern. Sie sind dein Nordstern für die zahlreichen Entscheidungen, die wir tagtäglich treffen. Ziele fördern Motivation und Durchhaltevermögen, sie machen Priorisierung leichter und reduzieren Zweifel, ob man gerade „das Richtige“ tut.
Außerdem geben sie dir eine Zielmarke, an der du deinen Fortschritt messen kannst. So wird es leichter, auch mal „Ja, das war genug“ zu sagen – oder (wenn nicht) zu verstehen, woran es lag, was du gelernt hast und was du beim nächsten Mal anders machst.
“Wäre ich nur besser organisiert, wäre ich nicht so faul, wäre ich einfach schneller oder hätte ein besseres System … dann würde ich das alles besser schaffen! Richtig?”
Falsch!
Du bist gut genug organisiert, um dein Leben bis hierher ganz ordentlich gelebt zu haben. Faul nennt dich nur die Stimme in deinem Kopf, die Angst vor Pausen hat. Schneller-werden hat Grenzen und der Nutzen eines besseren Systems gegenüber einem guten System ist oft nur marginal.
Ich wage eine Vorhersage: Das Problem liegt vermutlich weniger darin, wie du arbeitest, sondern woran. Die Chancen stehen gut, dass du versuchst, zu vielen Anforderungen gerecht zu werden, viele Ideen hast und direkt loslegst, wenn dir eine neue kommt, zu selten Nein sagst - zu dir selbst und zu anderen.
If you don’t know why you’re doing something, you can never do enough of it.
Das ist eines meiner Lieblingszitate, es stammt von David Allen, dem Begründer der Getting Things Done Methode und war für mich ein ziemlicher Augenöffner. Denn auch ich habe lange Zeit versucht, meine ToDo-Listen zu optimieren, meine Effizienz zu steigern, mit besseren Zeitmanagement-Methoden die Anforderungen zu bewältigen, komme was wolle.
Doch das funktioniert nicht. Es ist als würde man Wasser aus einem leckenden Boot schöpfen, aber das Leck nicht abdichten. Irgendwann läuft es voll. Wenn deine Aufgabenliste nicht überlaufen soll, musst du beschränken, was darauf landet. Und um zu entscheiden, was auf deine Liste kommt und was nicht, brauchst du Ziele.
Ziele helfen dir, deinen Nordstern im Blick zu halten
In einem Alltag, der überladen ist und voller Ablenkungen, können uns Ziele als Orientierung dienen. Vor vielen Jahren laß ich Tiffany Dufus Buch „Drop the ball“ und war fasziniert davon (und ein bisschen neidisch), wie sie es anging, wichtige Lebensentscheidungen zu treffen: Sie hatte drei Fragen, die sie sich vor jeder Entscheidung stellte, und die ihr Lebensziel reflektierten. Diese drei Fragen waren ihr Nordstern.
Ich hatte das damals nicht. Ich hatte Videokonferenzen und Krisentelefonate, To-do-Listen und soziale „Verpflichtungen“ die mir wichtig waren, ohne dass ich hätte sagen können, warum. Tiffany Dufus scheinbar einfacher Ansatz hat mich tief beeindruckt.
Ziele können der Nordstern sein, der uns im Alltag leitet. Vor jeder Entscheidung, die wir treffen, jeder Zusage, die wir machen, können wir uns fragen: Dient das meinem Ziel?
Priorisierung statt Multitasking
Ziele helfen dir priorisieren. Wenn du weißt, ob und wie dich eine bestimmte Tätigkeit auf deinem Weg zum Ziel voranbringt, kannst du eher entscheiden, ob sie zuerst dran ist oder warten muss. Soll ich den Spieleabend mit der Familie heute ausfallen lassen, um eine Präsentation noch fertig zu machen? Das kommt darauf an: Möchtest du mehr Nähe innerhalb deiner Familie oder liegt der Fokus gerade darauf, den nächsten Karrieresprung zu machen? Und bringt dich der Spieleabend beziehungsweise die Präsentation dem jeweiligen Ziel näher?
Positiver Nebeneffekt: Wenn dir bewusst ist, wozu du eine bestimmte Sache machst, wirst du auch währenddessen weniger von Zweifeln abgelenkt werden, ob du nicht vielleicht doch gerade etwas ganz anderes tun solltest.
Motivation finden, um loszulegen und der Wille durchzuhalten
Um überhaupt erstmal loszulegen, braucht es ein gewisses Level an Motivation. Psychologisch gesehen entsteht Motivation, wenn da wo wir sind nicht da ist, wo wir sein wollen. Wenn unsere aktuelle Situation also von unserem Ziel abweicht. Aus dieser Abweichung stammt die Energie, die wir als Motivation kennen. Ohne Ziel keine Zielabweichung, ohne Abweichung keine Motivation.
Ziele sind also wichtig, damit wir uns in Bewegung setzen. Es gibt in der Psychologie noch ein zweites Konzept, die Volition, Willenskraft genannt. Die kommt ins Spiel, wenn der Reiz des Neuen verflogen ist, sich Schwierigkeiten in der Umsetzung auftun und unser Vorhaben anstrengend wird. Dann ist es unsere Willenskraft, die uns weiter dran bleiben lässt, die uns gegen Widerstände weiter vorantreibt. Doch Willenskraft aufzubringen, ist anstrengend. Für diesen Kraftakt brauchen wir ein klares Ziel, das uns den Aufwand lohnenswert erscheinen lässt.
War das genug? Ziele als Gegenmittel zur „Nie-genug“-Stimme
Wie erfolgreich war dein Tag? Wie produktiv deine Woche?
Um diese Fragen beantworten zu können, musst du das, was du erreicht hast, mit einem gewünschten Zustand abgleichen. Dafür brauchst du eine Vorstellung von Erfolg, eine Zielmarke, an der du deinen Fortschritt messen kannst. Deine Ziele beschreiben den Erfolg, den du dir wünschst.
Der Abgleich deines Fortschritts mit deinen Zielen gibt dir verschiedene Informationen: Hast du dein Ziel erreicht, kannst du der nagenden Frage, ob du genug getan hast, ein lautes „JA!“ entgegenschmettern. Hast du dein Ziel nicht erreicht, kannst du dich fragen, woran es lag und daraus Einsichten für die Zukunft gewinnen: Hat dich dein Plan nicht wie erwartet zum Ziel geführt? Oder hattest du Schwierigkeiten, dich an den Plan zu halten? Was hast du gelernt, das du vorher nicht gesehen hattest? Und was kannst du im nächsten Anlauf anders machen?
Die Antworten auf diese Fragen bieten Raum zum Lernen. Fragen, die du dir nicht gestellt hättest, hättest du dir kein klares Ziel gesetzt.
Nein sagen mit gutem Grund: Ziele als Entscheidungshelfer
Ziele setzen und sie dir sichtbar vor Augen halten, hilft dir dabei, dich nicht zu verzetteln. Schreib einmal alle Ziele auf, die gerade wichtig für dich sind. Sind es mehr als 5? Dann wird es Zeit, zu priorisieren. Denn wenn du versuchst, an allen gleichzeitig zu arbeiten, wirst du mit jedem einzelnen langsamer vorankommen und läufst Gefahr, keines davon zu Ende zu bringen.
Es ist deshalb empfehlenswert, sich auf wenige Ziele zu beschränken. Wie viele das sind, hängt auch von der Komplexität der Aufgabe ab. Die meisten Empfehlungen, die ich gelesen habe, ziehen die Obergrenze bei fünf. Persönlich finde ich es da schon schwierig, genug Aufmerksamkeit für alle aufzubringen, um bei keinem den Faden zu verlieren. Deshalb empfehle ich drei - aber ich weiß selbst, wie schwer es manchmal ist, sich für nur drei “Lieblinge” zu entschieden.
Sich der eigenen Ziele bewusst zu sein, hilft dir auch dabei, mit Aufgaben umzugehen, die an dich herangetragen werden: Wenn du deine Ziele kennst, weißt du was du aufs Spiel setzt, wenn du Ja zu einer Aufgabe sagst, die dich deinen Zielen nicht näherbringt. Dann fällt es dir leichter, sie abzulehnen oder neu zu verhandeln.
Wer hier schreibt:
Auf meinem Weg von der Konzernwelt zur Wirtschaftspsychologin hat mich eine Frage immer begleitet: Wie gelingt Selbstorganisation im echten Leben – nicht um immer schneller zu werden, sondern um auch mal sagen zu können: Das war genug für heute!
Heute teile ich meine Erfahrungen in Workshops, Mentoring und Texten, um anderen zu helfen, ihre Ziele mit ihrem Alltag in Einklang zu bringen.
Etwas kürzer, dafür regelmäßig, schreibe ich in meinem Newsletter. Darin bekommst du Tipps und Impulse rund um Selbstorganisation und erfolgreiche Zusammenarbeit im Team. Und auch immer ein Update, wenn es etwas Neues auf dem Blog gibt.
Lies doch mal rein!
